von 713M » 03.02.2010, 18:13
Ich hatte vorhin keine Zeit mehr, daher nun mein 2. Teil...
Der Alinghi Cat hat, wie schon von meinem Vorredner richtig erwähnt, einen kräftigen Bugspriet. Ich habe deshalb nach den ersten Bildern von dem Boot im Internet relativ schnell gesagt, dass es quasi ein Trimaran ist, bei dem zugegebener Maßen der mittlere Rumpf das Wasser nicht berührt. Der "Mittelrumpf" hat halt keine feste Hülle, aber wenn man sich einmal die Verstrebungen ansieht, nimmt er sicher nahezu dieselben Lasten auf wie der Mittelrumpf bei Oracle.
Neben der Geschichte mit den Hahnepots kommt ja der Stauchdruck des Mastes usw hinzu. Beim Trimaran sind die Wanten zu den Auslegern gespannt und von denen gehen dann Wasserstagen an den Mittelrumpf, bei einem Catamaran wird das ganze durch den Unterzug gelöst. Im Endeffekt auch dasselbe....
Wenn man nun in den Mittelrumpf das Schwert integriert, nehmen die Ausleger natürlich noch weniger Lasten auf und die Beams können dementsprechend leichter dimensioniert werden. Allerdings ist ein Schwert im Mittelrumpf nicht so effektiv wir zwei in den Auslegern, weshalb sich die Jungs von Oracle offensichtlich dagegen entschieden haben.
Also soooo unterschiedlich sind die beiden Systeme da meiner Meinung nach gar nicht. Für Offshore Boote bietet sich ein Trimaran wegen des Platzangebotes an, hinzu kommt das notwendige Volumen, welches der Mittelrumpf bietet und damit einem Stecker (Überschlag) vorbeugt. Ab einer bestimmten Größe scheint die Trimaran Konstruktion einfach besser zu berechnen und sicherer zu sein. Grouparma und die Banque machen es da ja vor.
Und was die Schräglage angeht, da gebe ich meinem Vorredner natürlich recht. Der "Nachteil" ist sicher der Grund für das Schwenkrigg des Trimarans. Damit ist dieser auch ausgeglichen! Einen anderen Nachteil als das uneffektivere Rigg bei zuviel Krängung entsteht in meinen Augen ansonsten nicht, oder fällt euch einer ein???
Die unterschiedliche Wendigkeit wird sich durch die Gemeinsamkeit mit je zwei Schwertern relativ schnell erledigt haben, denke ich. Normalerweise fährt ein Tri deutlich mehr Höhe als ein Cat. Mit eine Corsair 28 Race kann man ungefähr die Höhe eines normalen Fahrten-Monohulls mitfahren (Beneteau, Dufour...) manchmal sogar die einer X. Wie weit dieser Vorteil von einem größeren Mittelschwert abhängig ist, kann ich natürlich nicht sagen.
Allerdings wundert mich, dass Alinghi kein Flügelrigg probieren. Das soll laut BMW Oracle ja so effizient sein, dass man kaum noch ein Vorsegel benötigt. Auf das zu verzichten hätte für unsere Catamaransegler unter den Americas Cup Profis immerhin den Vorteil dass wir einfach zwei Vorstags vom Masttop zu den beiden Bugspitzen laufen lassen könnten und dann dadurch, ohne die Rümpfe mehr zu belasten den fetten Bugspriet ab dem Vorderbeam absägen könnten... Wer weiß, entweder ist der Flügel doch nicht so der Hammer oder Alinghi hat geschlafen oder er kommt noch.... mit Sparkflecken muss sich BMW Oracle zumindest nicht rumärgern... 1:0 für den Flügel ;o)
Und nun muss ich, um mein Seacart Loblied zuende zu bringen nochmal kurz erwähnen, das bei einem Seacart im Vergleich zum Xtreme 40 der Außenborder im Gewicht mit drin ist. Die Inshore Version des Seacart wiegt übrigens inkl. 5 Ps Motor 750 Kilo...... ;o)
Gruß,
Michael